Valet

Material: coated and heattransformed polypropylene chair
Dimensions: 56cm x54cm x76cm (lxbxh)
Year: 2013

Edition: 3/3 (one object left)
Valet

from the preface to the monobloc catalog

Silent servant



They look a bit like a cross between an ironing board, a folding ladder and a coat hanger. And no matter how many attempts there are to clothe this crossover of the most diverse functional carriers in a halfway elegant form, the frames categorized under the term mute servant will probably never achieve the status of an engaging eye-catcher.

But it's not just the spindly design that makes them look like they've fallen out of time, it's primarily the clothing codex reflected here and the associated way we should handle shirts, trousers and jackets that stamps this standby wardrobe as a somewhat quirky anachronism. Because we have long since gotten into the habit of putting our T-shirts, jeans, blousons and creased linen jackets more or less casually somewhere: on tables, benches, but above all on chairs that are always standing around somewhere. Bert Löschner takes this permanent repurposing of a piece of furniture originally intended only for sitting on as an opportunity to break up what is actually a relatively static configuration and adapt it to the most diverse forms of use and seating. And which chair model would be better suited for such an adaptive deformation than the plastic chair called MONOBLOC, which actually has to serve everywhere for all kinds of purposes.

That this is so is probably primarily due to its price: No matter where: the MONOBLOC rarely costs more than around 10 €. And even if 10 € does not mean cheap everywhere, even in Senegal ten euros is an affordable, at least not a utopian price category. But the low price is only one reason for the carefree access to this furniture. Another is certainly its submissive materiality - polypropylene - in other words, its completely unproblematic deformability compared to, say, wood or metal. As can be seen in Löschner's real and fictional examples, it has an almost unlimited ability to stretch and bend. Now, attributes denoting such pliable forms of adaptability are not necessarily among the positive character traits of our day. On the contrary: when applied to living beings, whether human or animal, such qualifications always carry a slightly derogatory undertone. With Löschner's models, on the other hand, one would never come up with such negative associations. Sure, the chairs here also adapt to certain requirements, but this adaptation never seems imposed, forced or even pretentious.

All the functions suggested here by Löschner have a "self-evident self-image" that is also inherent in the basic model. Without wishing to lapse into overly lofty pathos, one could also speak of a certain humility in this type of chair, a humility in the face of the most everyday needs. Like no other chair, MONOBLOC refuses to accept any form of functional, aesthetic or ideological mission. It is not just a chair, it is a chair for everyone and for every occasion.

It is an ever-ready silent servant.

Volker Albus


aus dem Vorwort zum Katalog monobloc
Stummer Diener 


Ein bißchen wirken sie wie eine Kreuzung aus Bügelbrett, Klappleiter und einem Kleiderbügel. Und auch wenn es noch so viele Versuche gibt, dieses Crossover verschiedenster Funktionsträger in eine halbwegs elegante Form zu kleiden, die Gestelle, die unter dem Begriff Stummer Diener kategorisiert werden, werden wohl nie den Status eines einnehmenden Blickfangs erreichen. 

Es ist aber nicht nur das staksige Design, das sie wie aus der Zeit gefallen erscheinen läßt, es ist vor allem der sich hier widerspiegelnde Bekleidungscodex und die damit verbundene Art und Weise, wie wir mit Hemd, Hose und Jackett umgehen sollten, die diese Stand-by-Garderobe zu einem etwas schrulligen Anachronismus stempelt. Denn längst haben wir uns angewöhnt, unsere T-Shirts, Jeans, Blousons und knitternden Leinenjacketts mehr oder weniger leger irgendwohin zu legen: auf Tische, Bänke, vor allem aber auf immer irgendwo herumstehende Stühle. Diese permanente Umnutzung eines ursprünglich nur zum Sitzen gedachten Möbels nimmt Bert Löschner zum Anlass, die eigentlich relativ statische Konfiguration aufzubrechen und den unterschiedlichsten Gebrauchs- und Sitzformen anzupassen. Und welches Stuhlmodell würde sich für eine solche Anpassungs-Deformation besser eignen als jener MONOBLOC genannte Plastikstuhl, der tatsächlich all überall für alle möglichen Zwecke herhalten muss. 

Dass dem so ist, liegt wohl primär an seinem Preis: Egal, wo: der MONOBLOC kostet selten mehr als um die 10 €. Und auch wenn 10 € nicht überall gleich billig heißt, so sind selbst im Senegal zehn Euro eine erschwingliche, zumindest keine utopisch teure Preiskategorie. Der niedrige Preis ist aber nur die eine Ursache für den unbeschwerten Zugriff auf dieses Möbel. Ein anderer liegt bestimmt in seiner devoten Materialität - Polypropylen -, sprich: in seiner im Vergleich etwa zu Holz oder Metall völlig unproblematischen Verformbarkeit. Er ist, wie in Löschners realen und fiktionalen Beispielen zu besichtigen, von einer schier unbegrenzten Dehn- und Biegbarkeit. Nun gehören Attribute, die solch nachgiebige Formen der Anpassungsfähigkeit bezeichnen, nicht unbedingt zu den positiven Charaktereigenschaften unserer Tage. Im Gegenteil: Auf Lebewesen, egal ob auf Mensch oder Tier angewandt, schwingt in solchen Qualifizierungen immer ein leicht abfälliger Unterton mit. Bei Löschners Modellen hingegen käme man nie auf solch negative Assoziationen. Sicher, auch hier passen sich die Stühle bestimmten Erfordernissen an, aber diese Anpassung wirkt niemals aufgesetzt, gezwungen oder gar prätentiös. 

All den hier von Löschner vorgeschlagenen Funktionen wohnt ein „selbstverständliches Selbstverständnis“ inne, das auch dem Grundmodell zu eigen ist. Man könnte auch, ohne in allzu hehren Pathos verfallen zu wollen, von einer gewissen Demut dieses Stuhltyps sprechen, von einer Demut gegenüber alltäglichsten Bedürfnissen. Denn wie kein anderer Stuhl versagt sich der MONOBLOC jeder Form eines funktionalen, ästhetischen oder ideologischen Sendungsbewußtseins. Er ist nicht nur Stuhl, sondern er ist Stuhl für jeden und für jede Gelegenheit.

Er ist ein allzeit bereiter stummer Diener. 

Volker Albus